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Kat. 2
4 min.
Veröffentlicht 30. Juli 2026

Kommunikation verstehen – wie dein Unbewusstes deine Reaktionen «steuert»

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Eva-Maria Janutin

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#7

Worauf genau antwortest du?

Du hörst eine Frage. Aber du antwortest auf das, was sie in dir aus­löst.

 

Anna und Bar­bara leit­en gemein­sam die Per­son­al­abteilung. Seit sieben Jahren. Sie ken­nen sich gut, ver­trauen einan­der und sind ein einge­spieltes Team. Anna kommt nach drei Wochen Ferien zurück. Bar­bara bringt sie auf den neuesten Stand. «Ich muss dir zuerst etwas beicht­en. Bei der offe­nen Stelle kon­nte ich nicht warten. Es kamen so viele gute Bewer­bun­gen rein. Drei habe ich schon getrof­fen.»

Anna lacht. «Und?»
«Ein­er gefällt mir richtig gut. Philip. Den würde ich am lieb­sten sofort ein­stellen. Er hat allerd­ings ein kleines Hand­i­cap im Lebenslauf.»

«Hand­i­cap?»
«Er ist vorbe­straft. Eine Jugend­sünde. Er hat als junger Mann schnelle Mope­ds gestohlen.»

Anna schmun­zelt. «Okay. Wir sind ja auch nicht der Papst.»

Jet­zt stell dir dieselbe Szene nochmals vor.

«Er hat allerd­ings ein kleines Hand­i­cap.»
«Hand­i­cap?»
«Er kommt ger­ade aus ein­er Entzugsklinik. Alko­hol.»

Und plöt­zlich fliegt der Kugelschreiber durch den Raum.
«Das ist nicht dein Ernst!
Einen Alki?
Bei uns im Team?
Hast du sie noch alle?»

Gle­iche Bar­bara.

Gle­iche Stelle.

Gle­iche Frage.

Völ­lig andere Reak­tion.

Vielle­icht kennst du solche Momente selb­st. Deine Reak­tion ist schon da, bevor dein Kopf richtig ver­standen hat, warum. Später denkst du: Was war denn das ger­ade?

 

Dein Unbewusstes erinnert sich schneller als du

Wenn Anna mit Alko­hol Erfahrun­gen verbindet, die Angst, Unsicher­heit oder Kon­trol­lver­lust bedeuteten, hört sie bei «Alko­hol­prob­lem» möglicher­weise nicht nur eine Infor­ma­tion über einen Bewer­ber. Da spricht etwas Altes mit.

Vielle­icht ein Bild.
Ein Gefühl.
Eine Erin­nerung.
Etwas, das ihr Unbe­wusstes schneller erken­nt als ihr Kopf.

Und genau deshalb finde ich Kom­mu­nika­tion so span­nend.

Denn du antwortest nicht immer nur auf Worte. Du antwortest auch auf das, was diese Worte in dir berühren.

 

Was wurde gesagt – und was hast du gehört?

Jemand sagt: «Kannst du mir die Unter­la­gen noch schick­en?»

Eigentlich eine ein­fache Frage. Und trotz­dem zieht sich bei dir alles zusam­men.
Vielle­icht hörst du: «Du hast wieder etwas vergessen.»
Oder: «Du machst es nicht richtig.»
Oder: «Ich kon­trol­liere dich.»

Und plöt­zlich antwortest du nicht mehr nur auf die Frage. Du antwortest auf das, was sie in dir aus­gelöst hat. Das kann in Sekun­den passieren. Ohne Plan. Ohne böse Absicht. Ohne dass du über­haupt merkst, woher die Reak­tion kommt.

 

Erfahrungen verschwinden nicht einfach, nur weil Zeit vergeht

Manche Erfahrun­gen sind alt. Sehr alt. Und trotz­dem melden sie sich erstaunlich zuver­läs­sig, sobald etwas im Heute daran erin­nert. Ein Ton­fall. Ein Blick. Ein Satz. Ein bes­timmtes Wort. Ein Men­sch, der jeman­dem von früher ähn­lich sieht. Das Unbe­wusste hat ein erstaunlich­es Gedächt­nis. Es muss dir dafür keine fer­tige Erin­nerung schick­en.
Ein Gefühl reicht. Enge. Mis­strauen. Rück­zug. Wut. Oder dieses schnelle innere: Nein. Noch bevor du weisst, worauf du eigentlich Nein sagst.

 

Kommunikation ist mehr als das, was aus deinem Mund kommt

Du sprichst nie nur mit Worten. Du bringst dich mit. Deine Ruhe. Deine Anspan­nung. Deine Sicher­heit. Deine alten Muster.

Du kannst «Alles gut» sagen – und jed­er im Raum merkt, dass über­haupt nichts gut ist. Oder du sagst wenig. Und es ist trotz­dem klar.

Kom­mu­nika­tion ist nicht nur: Was sage ich? Son­dern auch: Von wo in mir sage ich es?

 

Ein Wort, das mich begleitet

Ich habe für meine Sprache ein Wort: ERHEBEND.

Nicht kün­stlich nett. Nicht weich. Nicht alles schönre­den. Son­dern so, dass der andere nach deinen Worten nicht klein­er ist als vorher. Das gilt für Gespräche. Für Kon­flik­te. Für Kri­tik. Und auch dann, wenn die andere Per­son gar nicht im Raum ist.

 

Wie sprichst du über andere?

Manch­mal zeigt sich unsere Hal­tung beson­ders deut­lich, wenn jemand nicht dabei ist. Machst du ihn klein­er? Lächer­lich? Dumm? Damit du für einen Moment gröss­er wirkst?

Oder kannst du klar sagen, dass du etwas nicht gut find­est, ohne den Men­schen gle­ich mit abzuw­erten? Das ist für mich erhebend. Nicht brav. Nicht kon­flik­t­frei. Son­dern klar – ohne unnötig zu ver­let­zen.

Und dann gibt es noch eine Per­son, mit der du den ganzen Tag sprichst. Dich selb­st.

 

FÜR DICH. JETZT.

Nimm heute einen Satz, den jemand zu dir sagt.
Bevor du antwortest, frag dich:

Was habe ich ger­ade wirk­lich gehört?

Die Worte?
Oder etwas darunter?
Kri­tik?
Ablehnung?
Kon­trolle?
Ent­täuschung?

Atme ein­mal.
Und dann frag dich:

Worauf möchte ich jet­zt antworten?

Auf das, was wirk­lich gesagt wurde?

Oder auf das, was mein altes Muster daraus gemacht hat?
Mehr nicht.
Nur diesen kleinen Zwis­chen­raum.

 

Und wie sprichst du mit dir?

Hand aufs Herz: Wie oft sagst du Dinge zu dir, die du keinem Men­schen sagen würdest, den du lieb­st?
«Klar, dass mir das passiert.»
«Bin ich blöd?»
«Ich bin nicht gut genug.»
«Ich kriege das nie hin.»
«Ich ver­di­ene das nicht.»

Manch­mal bemerken wir diese Sätze kaum noch. Sie laufen ein­fach mit. Wie Hin­ter­grund­musik, die kein­er bestellt hat. Und genau da darf­st du hin­schauen. Nicht um dich zu kon­trol­lieren.

Son­dern um bewusster zu wählen. Mein ein­fach­ster Satz dafür ist:

«Ich akzep­tiere mich selb­st.»

Unspek­takulär. Keine Fan­fare. Kein Feuer­w­erk. Ein Satz.

Aber ein­er, der etwas anderes mit dir macht als: «Was stimmt eigentlich nicht mit mir?»

 

Sprache hinterlässt Spuren

Gedanken wer­den nicht automa­tisch Schick­sal. Worte auch nicht. Aber was du immer wieder denkst, sagst und über dich glaub­st, bleibt nicht bedeu­tungs­los. Es bee­in­flusst, wie du dich siehst. Wie du han­delst. Was du dir zutraust. Und wie du anderen begeg­nest.

Darum lohnt sich Sprache. Nicht, weil du jedes Wort kon­trol­lieren musst. Son­dern weil du irgend­wann merkst: Ich kann anders mit mir sprechen. Und anders mit anderen.

 

Zurück zu dir

In mein­er Arbeit mit Hyp­nose und Hyp­nosether­a­pie in Cham inter­essiert mich bei Kom­mu­nika­tion deshalb nicht nur: Was hast du gesagt? Mich inter­essiert: Worauf hast du eigentlich geant­wortet?

Was wurde im Heute gesagt? Und was hat etwas Altes daraus gemacht? Nicht jede heftige Reak­tion braucht eine grosse Geschichte. Manch­mal war der andere tat­säch­lich ein­fach daneben.

Auch das kommt vor. Aber wenn du dich nach ein­er Reak­tion selb­st fragst: «Warum hat mich das so getrof­fen?» dann lohnt sich genau dort ein Blick. Vielle­icht ent­deckst du, dass etwas in dir schon sehr lange zuhört. Und wenn du beginnst, das zu erken­nen, entste­ht dieser kleine Moment zwis­chen Reiz und Antwort.
Nicht immer. Nicht per­fekt. Aber öfter.
Und manch­mal reicht genau dieser Moment, damit du nicht mehr automa­tisch antwortest.

Son­dern als du.

Wenn du ver­ste­hen möcht­est, was in dir manch­mal schneller spricht als du selb­st – ich bin da.

Her­zlich,

Eva-Maria

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