Warum du zuerst auf ein Podest gestellt wirst – und danach fällst.
Am Anfang bist du Alles. Am Anfang bist du besonders. Einzigartig. Beeindruckend. Genau richtig.
Du wirst gesehen. Gehört. Gefühlt. Oder zumindest fühlt es sich so an.
Und dann verschiebt sich etwas
Nicht plötzlich. Nicht laut. Sondern schleichend. Du beginnst, Dinge zu hinterfragen. Etwas stimmt nicht mehr ganz. Du wirst klarer. Kritischer. Wachst. Widersprichst vielleicht.
Und genau da kippt es.
Vom Podest – in den Fall
Stell dir vor, jemand stellt dich auf ein Podest. Hebt dich hoch. Bewundert dich. Und du glaubst: Ich bin sicher hier oben.
Aber dieses Podest gehört nicht dir. Es gehört dem anderen. Und deshalb kann er dich jederzeit herunterstossen.
Das Muster dahinter
Narzisstische Dynamiken folgen oft demselben Ablauf: Aufwerten. Binden. Abwerten. Immer und immer wieder. Wie ein Wechselspiel. Zuckerbrot und Peitsche.
Du wirst hochgehoben – nur damit du später tiefer fällst. Noch tiefer.
Und nein – sie tragen nicht immer Hosen
Wir sprechen oft über Narzissmus und sehen ein bestimmtes Bild. Laut. Dominant. Überlegen. Aber das ist nur ein Teil.
Es gibt auch die andere Form. Leiser. Feiner. Verpackt in Nähe. Verständnis. Verbundenheit.
Gerade unter Frauen kann diese Dynamik noch schwerer zu erkennen sein. Weil sie nicht hart kommt. Sondern weich. Nicht von oben herab. Sondern scheinbar auf Augenhöhe. Und genau das macht sie so kraftvoll.
Wenn Nähe zur Falle wird
Du fühlst dich gesehen. Verstanden. Getragen. Fast wie angekommen. Es entsteht etwas, das sich echt anfühlt. Verbindung. Vertrauen.
Und dann – ganz leise – beginnt sich etwas zu verändern. Nicht im Aussen zuerst. In dir.
Ich kenne diesen Moment
Nicht aus Büchern. Aus meinem Leben.
Ich habe mich aus einer Verbindung gelöst. Klar. Bewusst. Habe mir etwas aufgebaut. Einen Boden. Nahrhaft. Weich. Stabil.
Und dann kam eine neue Verbindung. Warm. Tragend. Fast freundschaftlich. Es fühlte sich richtig an.
Bis ich erkennen musste: Vom Regen in die Traufe. Nicht gleich. Nicht offensichtlich. Aber im Kern ähnlich.
Und genau das ist der Punkt, den viele nicht sehen: Es geht nicht um die Person. Es geht um das Muster.
Was das mit dir macht
Du beginnst, an dir zu zweifeln. Stellst deine Wahrnehmung in Frage. Eine Unsicherheit schleicht sich ein. Du fragst dich: War das zu viel? Zu kritisch? Zu empfindlich?
Du suchst die Fehler bei dir. Und genau das hält dich fest.
Die unsichtbare Dynamik
Du versuchst zu verstehen. Dich anzupassen. Es wieder „gut“ zu machen. Damit es wieder so wird wie am Anfang. Du gibst mehr. Bemühst dich mehr. Wirst leiser.
Aber egal, was du tust: Es reicht nie lange. Denn es geht nicht um dich. Es ging nie um dich.
Der eigentliche Kern
Hinter dieser Dynamik steht oft kein starker Mensch. Sondern ein instabiler Selbstwert. Ein Hunger nach Bewunderung. Nach Bestätigung. Nach Aufmerksamkeit.
Und gleichzeitig: Eine tiefe Angst, nicht zu genügen. Nicht gesehen zu werden. Entlarvt zu werden.
Warum du es so lange nicht erkennst
Weil es nicht nur dunkel ist. Sondern auch hell. Ein Auf und ein Ab. Nähe und Distanz. Lob und Abwertung. Anziehung und Verwirrung.
Genau diese Mischung hält dich. Nicht, weil du schwach bist. Sondern weil du fühlst.
Ein erstes klares Zeichen
Du teilst etwas. Einen Gedanken. Einen Erfolg. Und plötzlich verschiebt sich etwas. „Das kenne ich auch.“ „Ich hatte das auch – nur…“ Grösser. Besser. Mehr.
Die Bühne gehört nicht mehr dir. Und du spürst es. Leise.
Warum du immer wieder hineingerätst
Und jetzt kommt der Teil, der unbequem ist. Es reicht nicht zu sagen: „Ich hatte einfach Pech.“ Denn oft ist es kein Zufall.
Du erkennst diese Menschen nicht, weil sie dir fremd sind. Sondern weil sie dir vertraut sind. Nicht bewusst. Aber tief in dir.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl von früher: Dich anpassen zu müssen, um gesehen zu werden. Nicht ganz zu wissen, woran du bist. Dir Nähe zu verdienen, statt sie einfach zu bekommen.
Und genau deshalb fühlt sich diese Dynamik nicht falsch an. Sondern… bekannt. Fast wie ein Zuhause, das keines ist.
Und genau das ist der Grund, warum du bleibst. Nicht, weil du es nicht besser weisst. Sondern weil ein Teil in dir hofft, dass es diesmal anders ausgeht.
Und genau hier liegt die Verwechslung
Du denkst, es ist Liebe. Oder Verbindung. Oder etwas Besonderes. In Wahrheit ist es oft: Vertrautheit. Und Vertrautheit fühlt sich stark an. Auch dann, wenn sie dir nicht guttut.
Und vielleicht spürst du genau das
Du siehst es. Irgendwann. Ganz klar. Und trotzdem gehst du nicht sofort. Nicht, weil du nicht kannst. Sondern weil da noch etwas ist: Hoffnung. Dass es wieder so wird wie am Anfang. Dass du wieder gesehen wirst. Dass dieses Gefühl zurückkommt.
Und genau das hält dich. Nicht die Realität. Sondern die Erinnerung.
Was du verstehen musst
Du kannst nicht gewinnen. Nicht mit Logik. Nicht mit Erklären. Nicht mit noch mehr Bemühen. Du spielst in einem System, dessen Regeln sich ständig verändern.
FÜR DICH. JETZT.
Du bist liebenswert.
Du bist wunderbar.Und: Du bist die wichtigste Person in deinem Leben.
Fühlen.
Annehmen.
Sacken lassen.Du bist die wichtigste Person in deinem Leben.
Diese Worte gebe ich meinen Klientinnen oft auch als Karte mit – zum Anschauen, wenn es schwer wird.
Der wichtigste Schritt
Du musst ihn nicht verstehen. Du musst dich verstehen.
Wo bleibst du – obwohl es dir nicht gut tut? Wo erklärst du – obwohl du längst spürst? Wo hoffst du noch – obwohl du schon weisst?
Und genau da beginnt Veränderung
Nicht im Aussen. Sondern bei dir. In deiner Klarheit. Deiner Grenze. Deiner Entscheidung.
Wenn du spürst, dass es Zeit ist, dich nicht länger zu verlassen – ich bin da.
Herzlich
Eva-Maria