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Ausgebrannt – wenn du zu lange über dich gegangen bist
Warum nicht nur zu viel Arbeit erschöpft, sondern auch das dauerhafte Leben gegen dich selbst.
Ich lese viele Fachartikel über Burnout. Theorien. Modelle. Erklärungen. Vieles davon ist wichtig.
Und trotzdem sehe ich in meiner Arbeit noch etwas anderes.
Ich erlebe immer wieder Menschen, die nicht nur von der Menge ihrer Arbeit erschöpft sind. Sondern davon, wie lange sie schon gegen sich selbst leben. Gegen ihre Werte. Gegen ihre Bedürfnisse. Gegen etwas in ihnen, das längst Nein sagt.
Kann dich auch etwas erschöpfen, das du liebst?
Natürlich. Auch etwas Schönes kann anstrengend sein. Eine Hochzeit planen. Ein Fest organisieren. Ein Projekt stemmen, das dir wirklich am Herzen liegt.
Du arbeitest viel. Schläfst vielleicht zu wenig. Hast Stress. Und trotzdem kann sich diese Erschöpfung anders anfühlen. Du bist müde. Aber nicht leer. Du weisst, wofür du es tust. Das macht einen Unterschied.
Zwischen Fleisch und Erwartungen
Stell dir vor: Du wächst in einer Metzgerei auf. Dritte Generation. Grossvater. Vater. Und jetzt du. Der Weg ist längst vorbereitet. Nur für wen eigentlich?
Denn du möchtest fotografieren. Menschen. Stoffe. Licht. Ausdruck. Aber du stehst hinter dem Tresen. Zwischen Fleisch und Erwartungen. Und irgendwann wird etwas in dir leiser. Du passt dich an. Machst weiter. Vielleicht sogar sehr gut. Nach aussen stimmt alles.
Nur du immer weniger.
Vielleicht kommt ein Glas Wein mehr. Ein Rückzug mehr. Ein «passt schon» mehr. Und irgendwo die Hoffnung, dass endlich jemand kommt und sagt: «Du darfst anders.» Nur kommt dieser Mensch vielleicht nicht.
Dein rettender Engel hat erstaunlich viel Ähnlichkeit mit dir
Vielleicht ist es bei dir keine Metzgerei. Vielleicht ist es ein Beruf, den du nie wirklich gewählt hast. Eine Beziehung, in der du längst nicht mehr du selbst bist. Eine Rolle, die du hervorragend erfüllst – und die trotzdem nicht mehr zu dir passt.
Oder eine Erwartung, die längst zu eng geworden ist. Irgendwann reicht es nicht mehr, darauf zu warten, dass jemand anderes dein Leben verändert. Dann kommt diese eine Frage: Will ich das eigentlich noch?
Nicht: Darf ich?
Nicht: Was werden die anderen sagen?
Sondern: Will ich?
Ein anderer Blick auf Burnout
Burnout kommt selten über Nacht. Es schleicht sich ein.
Erst gibst du viel. Dann noch etwas mehr. Du funktionierst. Übernimmst Verantwortung. Hältst durch. Bis Dinge, die früher selbstverständlich waren, plötzlich unglaublich viel Kraft kosten.
Du wirst schneller gereizt. Schneller überfordert. Menschen werden zu viel. Geräusche. Gespräche. Kleinigkeiten. Du sehnst dich nach Ruhe. Und gleichzeitig wird es innen immer lauter.
Viele Menschen sagen irgendwann: «Ich habe einfach zu viel gearbeitet.» Vielleicht.
Ich schaue noch auf etwas anderes. Wo bist du dabei selbst geblieben?
Wo gehst du gegen dich?
Ich erlebe immer wieder, dass Arbeit auch deshalb zermürbt, weil jemand sich darin ständig selbst übergeht. Weil du Ja sagst und Nein meinst. Weil du Werte vertrittst, die nicht deine sind. Weil du täglich etwas tust, bei dem sich innerlich längst alles zusammenzieht. Weil du bleibst, obwohl du schon lange weisst, dass du gehen möchtest.
Ich sehe Burnout deshalb nicht nur als Frage von Arbeitsmenge. Mich interessiert auch: Wie lange lebst du schon gegen dich selbst? Das ist mein Blick darauf. Und ich finde, diese Frage darf unbequem sein.
Deine Gedanken sind nicht unschuldig
Wenn du den ganzen Tag denkst: «Ich will hier nicht sein.» «Warum passiert das mir?» «Ich halte das nicht mehr aus.» Dann verändert das nicht automatisch deine Situation. Aber es macht etwas mit dir. Darum mag ich eine einfache Frage: Was ist wahr – und was mache ich daraus?
Nicht schönreden. Nicht positiv denken, bis die Wand rosa wird. Hinschauen. Und dann entscheiden.
Drei Dinge, bei denen ich hellhörig werde
Wenn du dauerhaft gegen dein Herz handelst. Gegen deine Überzeugungen. Gegen deine Werte. Nicht einmal. Nicht für eine schwierige Woche. Sondern immer wieder.
Dann würde ich hinschauen. Denn irgendwann geht es nicht mehr nur darum, was du leistest. Sondern darum, wie viel von dir dabei noch übrig bleibt.
FÜR DICH. JETZT.
Stell dir dein eigenes Feuer vor. Gerade jetzt. Wie brennt es? Gross? Klein? Ruhig? Kaum noch sichtbar?
Und dann frag dich: Was braucht dieses Feuer?
Denk nicht lange nach. Nimm das Erste, was kommt. Vielleicht Ruhe. Vielleicht Mut. Vielleicht Wertschätzung. Vielleicht Liebe. Vielleicht Rosmarin. Vielleicht Eis. Ja, Eis. Es muss für mich keinen Sinn ergeben. Es muss für dich stimmen.
Und dann noch eine Frage: Wo handelst du gerade gegen dich?
Wo sagst du Ja – obwohl du Nein fühlst?
Wo bleibst du – obwohl du längst gehen möchtest?
Wo passt du dich an, obwohl du dich dabei verlässt?Such dir eine Stelle aus. Nicht fünf. Eine.
Und mach heute dort etwas Kleines anders.
Auszubrennen ist nicht dein Feind. Es ist ein Signal. Und wenn du bereit bist, dieses Signal zu verstehen, kann daraus Bewegung entstehen. Nicht sofort perfekt. Nicht auf Knopfdruck. Nicht mit Druck. Sondern Schritt für Schritt.
Wenn du spürst, dass es Zeit ist, an die Wurzel zu gehen – ich bin da.
Herzlich,
Eva-Maria