Alle Beiträge

Kat. 2
4 min.
Veröffentlich am 30. Juli 2026

Grenzen setzen

Bild von Geschrieben von

Geschrieben von

Eva-Maria Janutin

Teile diesen Beitrag

Grenzen setzen

Warum dein «Ja» dich schwächt – und dein «Nein» dich zurück zu dir bringt.

«Ich gebe dir noch Bescheid.» «Ich weiss es noch nicht.»

Hand aufs Herz, wie oft sagst du danach zu einer Einladung ja?

Das ist kein aufrichtiges Nachdenken. Das ist kein Vielleicht. Das ist fast immer ein Nein. Ein Nein, das sich versteckt, sich nicht traut, eins zu sein.

 

Jedes falsche Ja hat einen Preis

Gegen dich zu handeln – willentlich oder unwillentlich – schadet dir. Punkt. Genau das ist auch der Kern von dem, was ich in meinem Blog «Ausgebrannt» beschreibe: Nicht die Arbeit macht krank. Sondern das Leben gegen dich selbst.

Und trotzdem passiert es ständig und meistens unbewusst. Warum? Weil du gefallen willst. Gemocht werden willst. Die Nette sein willst. Die Verlässliche, starke, die, die immer kann.

Aber genau das macht dich nicht stark. Es macht dich schwach. Im Aussen. Und im Innen.

 

Der Moment danach

Du kennst ihn. Du hast Ja gesagt. Und innerlich hat alles geschrien: Nein.

Und danach? Ärger. Frust. Und wenn du ehrlich bist: Scham. Weil du es schon wieder getan hast.

 

Das ist nicht einfach fehlende Disziplin

Wenn du dir vornimmst, zwei Monate keinen Alkohol zu trinken und am Freitag einknickst – ja. Nicht ideal. Aber das ist Disziplin. Nicht Identität.

Aber wenn du immer wieder Ja sagst, obwohl du Nein fühlst – dann passiert etwas anderes. Das ist Selbstverrat. Und das sitzt tiefer.

 

Warum dir das Nein so schwerfällt

Ein Nein zu sagen ist nicht nur eine Entscheidung. Es ist oft ein innerer Konflikt. Zwischen dem, was du fühlst und dem, was du gelernt hast.

Vielleicht hast du gelernt: Dass Harmonie wichtiger ist als Wahrheit. Dass Anpassung sicherer ist als Klarheit. Dass Liebe davon abhängt, wie sehr du funktionierst.

Und genau deshalb fühlt sich ein Nein nicht neutral an. Sondern gefährlich. Zu hart. Zu egoistisch. Zu viel.

Aber die Wahrheit ist: Nicht dein Nein ist zu viel. Du hast nur zu lange Ja gesagt, wo längst ein Nein gewesen wäre.

Oft ist es genau der Teil in dir, über den ich in meinem Blog «Dein kleines Ich» schreibe, der hier mitentscheidet – ein jüngerer Teil, der gelernt hat, dass Anpassung sicherer ist als Klarheit.

 

Grenzen – überall. Nur nicht bei dir

Zwischen zwei Ländern gibt es Grenzen. Mit Kontrolle. Mit Klarheit. Zwischen zwei Grundstücken auch. Sauber eingetragen. Unmissverständlich.

Aber deine eigenen Grenzen? Wie oft du dich übergehst. Wie oft du dich verbiegst. Wie oft du dich verlässt. Darüber wird kaum gesprochen. Und genau das ist das Problem.

 

Dein Bereich beginnt näher, als du denkst

Stell dich hin. Streck deine Arme nach vorne aus. Beuge sie leicht. Schliess deine Hände.
Das hier ist dein Raum.
Dein Bereich.
Dein «Garten».

Dein Körper zeigt dir das ständig, auch ganz ohne diese Übung: Wenn jemand dir zu nahe kommt. Wenn du unbewusst einen Schritt zurückgehst. Oder dich streckst beim Begrüssen, um Distanz zu schaffen. Oder genau das Gegenteil: Du gehst näher, weil es sich richtig anfühlt.

Du erklärst das nicht. Du fühlst es. Und genau das ist deine Grenze. Nicht das, was du sagst. Sondern das, was du spürst.

Und trotzdem passiert es: Du öffnest, obwohl du es nicht willst. Du lässt jemanden in deinen Garten, gegen dein inneres Gefühl. Und danach wunderst du dich, warum es sich falsch anfühlt.

Grenzen entstehen dabei nicht erst bei grossen Entscheidungen, sondern im Alltag: Wenn du merkst, dass du müde bist – und trotzdem weitermachst. Wenn du eigentlich Ruhe brauchst – aber noch schnell antwortest. Es sind nicht die grossen Momente, in denen du dich verlierst. Es sind die vielen kleinen. Die niemand sieht. Ausser dir und du wirst mutiger, das mit den kleinen Grenzen klappt ja, also werden sie grösser.

 

Deine Grenzen sind Ausdruck deiner Werte

Deine Grenzen haben nichts mit Härte zu tun. Sie haben mit deinen Werten zu tun. Wofür du stehst. Was dir wichtig ist. Was du bereit bist zu tragen – und was nicht.

Wenn du deine Grenzen übergehst, übergehst du nicht nur eine Situation. Du übergehst dich. Und damit auch das, was dich ausmacht.

 

Die unbequeme, ehrliche Challenge

Eine Woche. Nur eine. Sag zuerst Nein. Nicht unfreundlich. Nicht hart. Einfach klar. Nein.

Du kannst immer noch korrigieren. Von Nein zu Ja ist leicht: «Ich habe es mir nochmal überlegt.» Von Ja zu Nein? Viel schwieriger.

 

Und dann kommt der Teil, den viele vermeiden

Grenzen zu setzen ist das eine. Sie zu halten, das andere. Denn sobald du klar wirst, wird es im Aussen spürbar. Menschen reagieren. Manche irritiert. Manche enttäuscht. Manche auch verärgert.

Nicht, weil du etwas falsch machst. Sondern weil du etwas veränderst. Und nicht jeder geht diesen Weg mit.

Das ist der Moment, in dem viele wieder einknicken. Nicht, weil sie es nicht können. Sondern weil sie die Reaktion nicht aushalten wollen.

Aber genau hier entscheidet sich alles: Ob du dir treu bleibst. Oder wieder zurückgehst.

 

Was wirklich passiert

Wenn du beginnst, dich ernst zu nehmen, für dich einzustehen, dann verändert sich etwas. Nicht nur für dich. Auch im Aussen.
Deine Sprache wird klarer.
Dein Auftreten ruhiger.
Deine Wirkung stärker.

Und plötzlich passiert etwas Interessantes: Menschen begegnen dir anders. Nicht, weil sie sich verändert haben. Sondern weil du es getan hast.

 

Der eigentliche Gewinn

Es geht nicht nur um Grenzen. Es geht um Selbstachtung. Und die spürt man. In jedem Satz. In jeder Entscheidung. In jeder Haltung.

 

FÜR DICH. JETZT.

Für dich einzustehen ist mehr als Nein sagen. Es ist ein klares Ja zu dir.

Also frag dich: Wann hast du das letzte Mal gegen dich gehandelt? Weitergearbeitet, obwohl du längst müde warst? Deine Grenze ignoriert? Dich selbst hintenangestellt? Zwei Tage schnell etwas gegessen – statt dir wirklich etwas Gutes zu tun? Keine Pause. Keine Zeit. Keine Aufmerksamkeit für dich?

Dann dreh es um. Eine Woche lang. Sorg für dich, als wäre da jemand, der dir wichtig ist.

Lüfte deine Wohnung. Bezieh dein Bett frisch. Kauf bewusst ein. Geniess dein Essen. Iss in Ruhe. Geh raus. Atme. Nimm dir Zeit.

Nicht perfekt. Aber ehrlich.

Und genau deshalb: Jedes Nein ist ein Ja zu dir.

 

Wenn du spürst, dass es Zeit ist, dich nicht länger zu verlassen – ich bin da.

Herzlich
Eva-Maria

Abonniere meinen Newsletter
Abonnieren Sie meinen Newsletter, um jede Woche die neuesten News direkt in Ihren Posteingang zu erhalten.
Mit Ihrer Anmeldung erklären Sie sich mit unserer Datenschutzerklärung einverstanden.

Bücher bestellen

Bitte fülle das Formular aus, um deine Bestellung aufzugeben.

Bücher auswählen

Jedes Buch kostet CHF 15.

Bitte wähle deine bevorzugte Zahlungsmethode: