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Veröffentlicht 30. Juni 2026

Perfektionismus und innere Leere – warum Erfolg dich nicht erfüllt

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Eva-Maria Janutin

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#2

Alles richtig gemacht. Und trotzdem fehlt etwas

Warum Per­fek­tion­is­mus dich antreibt – und gle­ichzeit­ig von dir ent­fer­nt.

 

Wenn «gut» nie gut genug ist

Vielle­icht ist das hart. Vielle­icht ist das direkt. Ich sage es trotz­dem.

Viele Per­fek­tion­is­ten wollen nicht ein­fach etwas gut machen. Sie wollen ver­mei­den, dass es falsch wird.

Und das ist ein Unter­schied.

Von aussen sieht Per­fek­tion­is­mus oft beein­druck­end aus: zuver­läs­sig, diszi­plin­iert, vor­bere­it­et, leis­tungs­bere­it.

Innen kann es ganz anders ausse­hen.

Denn wenn «gut» nicht reicht, gibt es kaum einen Moment, in dem du wirk­lich fer­tig bist.

Es geht immer noch bess­er. Noch sauber­er. Noch gründlich­er. Noch schön­er. Noch ein let­zter Blick. Und dann vielle­icht sicher­heit­shal­ber noch ein­er.

 

Die sichtbare Seite

Per­fek­tion­is­ten haben häu­fig einen hohen Anspruch an sich selb­st.

Sie wis­sen genau, wie etwas sein soll. Geben ungern Ver­ant­wor­tung ab. Kon­trol­lieren lieber nochmals nach.

Hil­fe annehmen? Schwierig. Darum bit­ten? Noch schwieriger.

Denn was, wenn es jemand anders nicht so macht, wie du es machen würdest?

Also machst du es selb­st. Und wenn die Zeit knapp wird, stre­ichst du nicht den Anspruch. Du stre­ichst dich.

Ein Pro­jekt zu spät abgeben? Unvorstell­bar. Dann lieber länger arbeit­en. Noch eine Stunde. Noch einen Abend. Not­falls die Nacht.

Von aussen sieht das nach Ein­satz aus. Und manch­mal ist es das auch. Die Frage ist nur: Was kostet dich dieser Ein­satz?

 

Die leise Seite

Dann gibt es noch die Seite, die kaum jemand sieht. Vielle­icht kennst du diesen Satz: «So reicht es noch nicht.»

Nicht nur über deine Arbeit. Son­dern irgend­wann über dich. Noch mehr geben. Noch mehr leis­ten. Noch mehr richtig machen. Und irgend­wann wird aus einem hohen Anspruch ein Massstab, an dem du dich selb­st ständig misst.

Man lobt dich für deine Diszi­plin. Für deine Zuver­läs­sigkeit. Für deine Stärke.

Nie­mand sieht, wie viel Kraft es dich kostet, diesem Bild jeden Tag gerecht zu wer­den. Das ist das Heimtück­ische am Per­fek­tion­is­mus: Er kann ausse­hen wie Stärke – und sich innen trotz­dem wie nie genug anfühlen.

 

Meine Geschichte damit

Ich weiss, wie sich das anfühlt.

Als ich Mama wurde – und das war mein grösster Wun­sch – war ich nicht vor­bere­it­et auf das, was danach kam.

Nicht auf das neue Leben. Und nicht auf die neue Wahrnehmung.

Vorher war ich sehr erfol­gre­ich im Aussen­di­enst. Als Frau war ich damals eher eine Aus­nahme: Unter über 40 Verkäufern waren wir ger­ade ein­mal zwei Frauen.

Key Accounts. Ver­ant­wor­tung. Ver­trauen. Ich war sicht­bar. Wurde geschätzt. Wusste, was ich kon­nte.

Dann wurde ich Mama. Mein grösster Wun­sch. Und plöt­zlich war ich in den Augen ander­er vor allem eines: Mut­ter.

Also begann ich, noch mehr zu geben. Zu Hause musste alles per­fekt sein. Ich musste per­fekt ausse­hen. Per­fekt funk­tion­ieren.

Unser Baby war süss. Der Kuchen selb­st­gemacht. Die Dankeskarten von Hand geschrieben. Ich war gut drauf. Und der Boden war so sauber, dass wir prob­lem­los davon hät­ten essen kön­nen. Mit einem Neuge­bore­nen.

Im Rück­blick denke ich: Wie dumm. Ich hätte bess­er auf mich geschaut. Mir mehr Sorge getra­gen. Die Fen­ster hät­ten warten kön­nen. Ich schlief kaum. Schaute nicht nach mir.

Aber Haupt­sache, alles glänzte. Damals nan­nte ich es «Miss Per­fect». Und war sog­ar noch stolz darauf.

 

Der Moment, in dem etwas kippt

Inner­lich wurde es immer leer­er. Ich habe lange nicht gese­hen, was da passiert. Vielle­icht wollte ich es auch nicht sehen.

Bis mein Kör­p­er sehr deut­lich wurde. Da blieb mir irgend­wann nichts anderes mehr, als hinzuschauen. Wider­willig. Aber ehrlich. Und genau dort begann für mich etwas Entschei­den­des.

Nicht mit noch mehr Tun. Nicht mit noch besserem Funk­tion­ieren. Son­dern mit der Erken­nt­nis: So geht es nicht weit­er.

Hin­se­hen. Und dann annehmen. Nicht bew­erten. Nicht beschä­men. Nicht sofort lösen.

Son­dern anerken­nen: Ja. Das ist ger­ade mein Leben.

 

Vielleicht erkennst du dich hier

Eine Mail an deinen Vorge­set­zten. Wie oft liest du sie durch, bevor du sie abschickst? Ein­mal? Oder zwei‑, drei‑, vier­mal? Nicht weil der Inhalt noch bess­er wird. Son­dern weil du sich­er sein willst.

Vielle­icht kennst du diesen inneren Druck: Ich muss noch mehr geben. Noch mehr leis­ten. Noch mehr richtig machen. Nicht, weil jemand es ver­langt. Son­dern weil etwas in dir sagt: «So reicht es noch nicht.»

Und genau da lohnt sich Hin­schauen. Denn Per­fek­tion­is­mus entste­ht nicht immer aus Ehrgeiz. Manch­mal steckt dahin­ter das Bedürf­nis nach Kon­trolle. Nach Sicher­heit. Nach Anerken­nung. Nach Zuge­hörigkeit. Oder die Angst, einen Fehler zu machen und damit etwas zu ver­lieren. Kri­tik. Rück­zug. Ablehnung. Das Gefühl, nicht zu genü­gen.

Frühe Erfahrun­gen kön­nen dazu führen, dass wir uns über Leis­tung, Anpas­sung oder Fehler­losigkeit Sicher­heit ver­schaf­fen. Was ein­mal geholfen hat, kann später sehr eng wer­den.

 

Warum du das nicht einfach wegdenken kannst

Wenn ein Muster über Jahre Sicher­heit gegeben hat, ver­schwindet es sel­ten, nur weil du dir sagst: «Ab heute bin ich weniger per­fek­tion­is­tisch.» Schön wärs.

Ein alter inner­er Antreiber lässt sich sel­ten mit einem neuen Post-it am Badez­im­mer­spiegel beein­druck­en. Deshalb inter­essiert mich nicht nur: Was machst du?

Son­dern: Wozu brauchst du es? Was gibt dir die Kon­trolle? Was würde passieren, wenn etwas nur gut wäre? Was befürcht­est du, wenn jemand einen Fehler sieht? Und wem möcht­est du eigentlich noch immer beweisen, dass du genug bist? Mehr über frühe Prä­gun­gen und innere Anteile find­est du auch in meinem Blog «Dein kleines Ich».

 

FÜR DICH. JETZT.

Beobachte dich heute ein­mal: Wann willst du etwas per­fekt machen?

Beim Schreiben. Beim Sprechen. Im All­t­ag.

Und dann stopp.

Frag dich nicht: Wie mache ich es bess­er?

Son­dern: Was passiert, wenn ich es ein­fach gut genug lasse?

Und dann tu genau das. Nicht per­fekt. Son­dern fer­tig.

UND SEI STOLZ AUF DICH.

 

Bleib Perfektionist – aber für die richtigen Dinge

In meinem Buch «Unge­wollt und doch da» schreibe ich im Bonus-Kapi­tel «Miss Per­fect»: Bleib ruhig Per­fek­tion­ist. Aber werde ein schlauer. Ein­er, der weiss, wann sich Ein­satz lohnt. Für eine Prü­fung. Eine wichtige Abgabe. Eine Mas­ter­ar­beit. Etwas, das dir wirk­lich wichtig ist.

Aber der Kuchen, der in der Mitte etwas einge­sunken ist? Den bäckst du nicht nochmals. Vielle­icht ist er innen ein­fach wun­der­bar saftig. Leg ein paar Früchte als Deko in die Delle. Oder lass sie.

Ein weis­er Per­fek­tion­ist gibt sein Bestes, ohne sich dabei selb­st zu ver­lieren. Er macht aus Fehlern Erfahrun­gen. Keine Urteile über seinen eige­nen Wert.

 

Zurück zur Wurzel

In mein­er Arbeit mit Hyp­nose und ursachenori­en­tiert­er OMNI-Hyp­nosether­a­pie in Cham inter­essiert mich nicht nur der sicht­bare Per­fek­tion­is­mus.

Mich inter­essiert, was darunter wirken kann. Welche Erfahrun­gen haben dich geprägt? Welche Überzeu­gun­gen trägst du über dich? Was glaub­st du leis­ten zu müssen, um sich­er, wertvoll oder anerkan­nt zu sein? Und welche dieser alten Regeln brauchst du heute über­haupt noch?

Hyp­nose kann dabei einen Zugang zu Erfahrun­gen und inneren Mustern öff­nen, die im All­t­ag nicht immer bewusst greif­bar sind. Nicht um in der Ver­gan­gen­heit steck­en zu bleiben. Son­dern um heute mehr Wahl zu haben. Denn genau darum geht es:

Du musst deinen Per­fek­tion­is­mus nicht bekämpfen. Du darf­st ler­nen, ihn zu führen.

Meine Fen­ster hal­ten mich heute gut aus. Manch­mal glänzen sie ziem­lich beein­druck­end. Und manch­mal denken sie wohl, wir wür­den uns eine Putzfrau wün­schen.

Wenn du spürst, dass du nicht länger nur funk­tion­ieren möcht­est, son­dern ver­ste­hen willst, was dich antreibt – ich bin da.

Her­zlich,

Eva-Maria

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