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Veröffentlicht 30. Juni 2026

Innere Unruhe verstehen – Ursachen und was dir helfen kann

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Eva-Maria Janutin

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#1

Du bist nicht unruhig. In dir spricht etwas

Warum dein Kör­p­er nicht gegen dich arbeit­et, son­dern ver­sucht, dir etwas zu zeigen.

 

Vielle­icht sitzt du still. Aber innen ren­nt alles. Du ver­suchst, dich zu konzen­tri­eren. Auf ein Gespräch. Eine Auf­gabe. Einen Satz. Dein Gegenüber. Und da ist sie. Diese Unruhe.

Sie nimmt Raum ein. Unge­fragt. Selb­stver­ständlich. Als hätte sie einen Stuhl mit­ten in deinem Leben reserviert – und kein­er­lei Absicht, ihn wieder freizugeben.

Sie hat keine Farbe. Keine Form. Und trotz­dem spürst du sie.

Vielle­icht in der Brust. Im Bauch. Im Hals. In den Hän­den.

Wie ein Man­tel, den nie­mand sieht – und der trotz­dem zu eng sitzt.

 

Was innere Unruhe mit dir macht

Innere Unruhe ist anstren­gend.

Nicht nur, weil dein Kör­p­er nicht zur Ruhe kommt. Son­dern weil du irgend­wann beginnst, dich selb­st zu beobacht­en.

Merken es die anderen?

Sieht man mir etwas an?

Wirke ich nervös?

Bin ich zu anges­pan­nt?

Warum kann ich nicht ein­fach entspan­nen?

Und schon hast du nicht nur die Unruhe. Du hast auch noch die Auf­gabe über­nom­men, sie möglichst gut zu ver­steck­en.

Deine Hände zit­tern vielle­icht in der Man­teltasche. Dein Kiefer ist anges­pan­nt. Deine Schul­tern befind­en sich irgend­wo auf halbem Weg zu den Ohren.

Nach aussen funk­tion­ierst du.

Innen sieht es anders aus.

Vielle­icht schläf­st du schlechter. Wirst dünnhäutiger. Erschöpf­st schneller. Dinge, die du son­st lock­er weggesteckt hast, kosten plöt­zlich Kraft.

Und irgend­wann sagt garantiert jemand:

«Du musst ein­fach ein biss­chen entspan­nen.»

Ach so.

Wenn wir das gewusst hät­ten.

Du kannst einem alarmierten Sys­tem nicht befehlen: «Jet­zt entspann dich.»

Das funk­tion­iert unge­fähr so gut wie einem Kind im Dunkeln zu sagen: «Hab keine Angst.»

 

Innere Unruhe ist nicht dein Feind

Weisst du, ich finde diesen Gedanken sehr ver­söhn­lich – und gle­ichzeit­ig eine span­nende Betra­ch­tungsweise:

Innere Unruhe ist nicht automa­tisch dein Feind. Sie kann ein Sig­nal sein.

Dein Kör­p­er reagiert auf Belas­tung. Auf Stress. Auf Angst. Auf Druck. Auf Dinge, die du vielle­icht schon lange getra­gen oder sog­ar ver­drängt hast.

Bei Anspan­nung kann dein Ner­ven­sys­tem in erhöhte Alarm­bere­itschaft ger­at­en. Dein Kör­p­er macht sich bere­it, zu reagieren.

Nur gibt es in unserem All­t­ag häu­fig nichts, wovor wir tat­säch­lich davon­ren­nen kön­nen.

Vielle­icht sitzt dir stattdessen ein Gespräch im Nack­en, das du seit Wochen vor dir her­schieb­st.

Vielle­icht ein Nein, das längst aus­ge­sprochen wer­den möchte.

Vielle­icht eine Entschei­dung, die du immer wieder vertagst.

Oder du funk­tion­ierst schon so lange, dass du gar nicht mehr bemerkst, wie viel Kraft dich dieses Funk­tion­ieren kostet.

Innere Unruhe kann viele Ursachen haben – kör­per­liche, psy­chis­che und emo­tionale. Wenn sie neu, stark oder ungewöhn­lich ist oder dich länger belastet, lass deshalb auch mögliche kör­per­liche Ursachen medi­zinisch abklären.

Nicht alles muss eine tief­ere Botschaft haben.

Wenn ich zweimal im Jahr Kopfweh habe, nehme ich eine Kopfwe­htablette und mache daraus keine Leben­s­analyse.

Fer­tig.

Aber wenn etwas immer wiederkommt, stärk­er wird oder dich deut­lich ein­schränkt, lohnt sich nicht nur die Frage:

«Wie bekomme ich das weg?»

Son­dern auch: «Was ist eigentlich los?»

 

FÜR DICH. JETZT.

Spür für einen Moment in dich hinein. Nicht analysieren. Nicht erk­lären. Nur wahrnehmen.

Wo spürst du die Unruhe ger­ade am stärk­sten? In der Brust? Im Bauch? Im Hals? In den Schul­tern?

Leg deine Hand dor­thin, wenn sich das für dich gut anfühlt.

Und sag inner­lich: «Ich sehe dich.»

Mehr nicht.

Nicht weg­machen. Nicht beruhi­gen. Nicht verän­dern.

Nur wahrnehmen, was jet­zt ger­ade ist.

Und dann frag dich:

Was hat sich verän­dert?

 

Was steckt hinter innerer Unruhe?

Stress kann innere Unruhe aus­lösen. Über­forderung eben­so. Schlaf­man­gel. Sor­gen. Angst. Kör­per­liche Verän­derun­gen.

Span­nend wird es dort, wo die offen­sichtlichen Antworten aufhören. Was war los, als die Unruhe begonnen hat?

Was hast du aus­ge­hal­ten? Wo hast du dich zusam­men­geris­sen? Was hast du nicht aus­ge­sprochen?

Welche Entschei­dung schieb­st du vor dir her?

Wo sagst du nach aussen «Es geht schon» – obwohl es innen längst nicht mehr geht?

Viele Men­schen, die mit inner­er Unruhe zu mir kom­men, möcht­en ver­ständlicher­weise zuerst eines: Sie soll weg.

Wieder schlafen. Wieder ruhig sein. Wieder funk­tion­ieren. Ich ver­ste­he das.

Und trotz­dem lohnt es sich, nicht sofort zu fra­gen:

«Wie werde ich die Unruhe los?»

Son­dern vielle­icht zuerst:

«Was möchte ich ver­ste­hen?»

Denn was wäre, wenn deine Unruhe nicht ein­fach das Prob­lem ist?

Was wäre, wenn sie eine Reak­tion auf etwas ist, das schon länger nicht mehr stimmt?

Das ist keine beson­ders gemütliche Frage.

Aber gemütlich und hil­fre­ich sind nun ein­mal nicht immer das­selbe.

 

Ich kenne diese Unruhe selbst

Innere Unruhe kenne ich nicht nur aus mein­er Arbeit.

Ich kenne sie aus meinem eige­nen Leben.

Mein Vater war ein­er mein­er wichtig­sten Men­schen. Er kon­nte etwas, das sel­ten ist: zuhören.

Wirk­lich zuhören.

Nicht repari­eren. Nicht rel­a­tivieren. Nicht sofort eine Lösung her­vor­holen.

Ein­fach da sein.

Ich musste mich von ihm ver­ab­schieden, als ich im siebten Monat schwanger war.

Ich wollte stark sein. Für mein Kind. Für meinen Kör­p­er. Für das Leben, das weit­erg­ing.

Also funk­tion­ierte ich. Nicht bewusst. Ich stand mor­gens nicht auf und beschloss: «Heute ver­dränge ich meine Trauer.»

So läuft das Leben sel­ten. Ich machte ein­fach weit­er. Und die Unruhe kam.

Ich stellte vieles infrage. Mich selb­st am meis­ten. Wurde hart mit mir. Zog mich zurück.

Bis eine Fre­undin mich sehr direkt darauf ansprach.

Und dann kamen die Trä­nen. Nicht die höflichen. Die anderen.

In diesem Moment wurde mir klar, wie viel Trauer ich zurück­ge­hal­ten hat­te.

Ich wusste längst, wie wichtig Hin­schauen und Annehmen sind. Ich hat­te es gel­ernt, ver­standen und in mein­er Arbeit erlebt.

Aber jet­zt bekam dieses Wis­sen ein Gefühl. Ein Gesicht. Das, was vorher richtig und vernün­ftig gek­lun­gen hat­te, wurde plöt­zlich meine eigene Erfahrung. Das Schul­buch hat­te also recht. Alles begin­nt mit Hin­schauen. Erst ein­mal sehen, was tat­säch­lich da ist. Und dann kommt der zweite Schritt: Annehmen.

Nicht bew­erten. Nicht weg­drück­en. Nicht sofort lösen. Son­dern anerken­nen: «Ja. Das ist ger­ade da.»

Und erst danach entste­ht eine wirk­liche Frage: «Was will ich damit machen?»

 

Der erste Schritt ist nicht Kampf

Wenn du etwas verän­dern möcht­est, begin­nt es nicht damit, dass du dich noch mehr anstrengst.

Es begin­nt mit Hin­schauen. Und danach mit einem erstaunlich unspek­takulären Schritt:

Annehmen. Nicht gutfind­en. Nicht schönre­den. Und schon gar nicht aufgeben.

Annehmen heisst: «Ja. So ist es ger­ade.»

Ich bin unruhig. Mein Kör­p­er ist anges­pan­nt. Meine Gedanken kreisen. Das ist die Tat­sache.

Und jet­zt höre ich auf, zusät­zlich dage­gen anzukämpfen. Denn zur Unruhe noch Selb­stvor­würfe dazuzule­gen, ist unge­fähr so hil­fre­ich wie bei Regen zusät­zlich den Garten­schlauch anzustellen. Es wird ein­fach nur noch nass­er.

Annehmen bedeutet nicht, dass du die Unruhe behal­ten möcht­est.

Nein. Es ist ein Entscheid, dass du nicht mehr gegen die Tat­sache kämpf­st, dass sie im Moment da ist. Und genau dann entste­ht etwas Entschei­den­des: Wahl.

Solange ich nicht anerkenne, wo ich ger­ade ste­he, kann ich hun­dert Gründe dafür find­en, warum alles so ist, wie es ist. Aber ich bewege mich nicht. In dem Moment, in dem ich hin­schaue und sage: «Ja. Das ist ger­ade mein Leben.» kann die näch­ste Frage entste­hen: «Und was will ich jet­zt damit machen?»

Nicht: Was muss ich? Son­dern: Was will ich? Das ist ein gewaltiger Unter­schied. Hin­schauen macht nicht alles ein­fach­er.

Aber es macht oft sicht­bar, dass du mehr Möglichkeit­en hast, als du dacht­est. Und falls du darauf ger­ade noch keine Antwort hast – auch gut. Du hast immer­hin aufge­hört, vor der Frage davonzu­laufen.

 

Wenn deine Gedanken Karussell fahren

Innere Unruhe und kreisende Gedanken sind häu­fig ziem­lich gute Mit­be­wohn­er. Lei­der kündigt kein­er von bei­den den Mietver­trag frei­willig.

Wenn deine Gedanken kreisen, kann eine sehr ein­fache Frage helfen: Ist das wirk­lich so?

Und danach: Wie ist es wirk­lich?

Zum Beispiel: «Alle sind gegen mich.» Ist das wirk­lich so? Wirk­lich alle? Vielle­icht bleiben nach kurzem Nach­denken drei Men­schen übrig.

Oder ein­er. Oder du merkst plöt­zlich: Eigentlich stimmt etwas anderes. «Ich füh­le mich nicht gese­hen.» Das ist ein gross­er Unter­schied. Mit «Alle sind gegen mich» bist du aus­geliefert.

Mit «Ich füh­le mich nicht gese­hen» hast du Möglichkeit­en. Du kannst hin­schauen. Du kannst ein Gespräch führen. Eine Gren­ze set­zen. Etwas aussprechen. Etwas verän­dern. Oder bewusst entschei­den, es vor­erst nicht zu tun. Auch das ist eine Entschei­dung.

Innere Unruhe kann auch mit dauer­hafter Über­forderung, Leis­tungs­druck oder dem Gefühl zusam­men­hän­gen, nur noch funk­tion­ieren zu müssen. Darüber schreibe ich in meinem Beitrag «Aus­ge­bran­nt – wenn du dich selb­st ver­lierst».

 

Wenn Unruhe zur inneren Tür wird

Vielle­icht begleit­et dich deine Unruhe schon lange.

Vielle­icht hast du gel­ernt, mit ihr zu leben. Du erledigst. Du organ­isierst. Du hältst durch. Bis irgend­wann die Frage auf­taucht:

Will ich eigentlich so weit­er­ma­chen? Das kann ein wichtiger Moment sein. In mein­er Arbeit mit Hyp­nose und Hyp­nosether­a­pie in Cham inter­essiert mich nicht nur, was an der Ober­fläche sicht­bar ist. Mich inter­essiert das, was darunter wirken kann. Erfahrun­gen. Gefüh­le. Überzeu­gun­gen. Alte innere Entschei­dun­gen. Muster, die irgend­wann ein­mal sin­nvoll waren und heute vielle­icht nicht mehr zu deinem Leben passen.

Das Unbe­wusste ist für mich dabei kein geheimnisvoller Ort irgend­wo im Uni­ver­sum. Es ist ein Teil von dir. Und manch­mal liegen dort Türen, die wir im All­t­ag längst nicht mehr sehen. Nicht hin­ter jed­er Tür wartet eine grosse Erken­nt­nis.

Und nicht jedes The­ma braucht Hyp­nose. Aber manch­mal verän­dert sich etwas Entschei­den­des, wenn du beginnst, eine dieser Türen über­haupt wieder wahrzunehmen.

Viele Wege führen nach Rom, heisst es. Verän­derung bedeutet nicht, dass ein­er davon plöt­zlich bequem wird.

Aber du musst nicht mehr glauben, dass es nur diesen einen Weg gibt.

Vielle­icht find­est du nicht sofort die richtige Tür. Aber du musst auch nicht mehr so tun, als gäbe es nur diese eine Wand.

Und genau darin liegt Hoff­nung. Nicht in dem Ver­sprechen, dass alles gut wird. Son­dern in der Erken­nt­nis: Ich habe Möglichkeit­en.

Innere Unruhe muss deshalb nicht nur etwas sein, das du loswer­den möcht­est. Sie kann auch der Moment sein, an dem du beginnst, dir selb­st wieder zuzuhören.

Wenn du spürst, dass du nicht länger nur beruhi­gen möcht­est, was in dir laut gewor­den ist, son­dern ver­ste­hen willst, was darunter wirken kön­nte – ich bin da.

Her­zlich,

Eva-Maria

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