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Kat. 1
7 min.
Veröffentlicht 11. September 2026

Wie funktioniert Hypnose? Was dabei wirklich geschieht

Wie funktioniert Hypnose, ruhiger See, gelbe Bojen, ein Steg, es ist sinnbildlich für das Unbewusste.
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Eva-Maria Janutin

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#11

Du bist nicht weg. Du bist näher bei dir

Hyp­nose ist kein Schlaf, keine Wil­len­losigkeit und kein Hokus­pokus.

 

Eine Geschichte darüber, wie funk­tion­iert Hyp­nose, wie sie sich anfühlen kann – und weshalb du dabei nicht die zweite Geige spielst. Ohne dich geht nichts.

Hypnose? Nicht gerade jetzt

Der Saal war kühl und dunkel, ein wenig mys­tisch. Viele Men­schen tru­gen Weiss. Ich nicht. Ich sass mit­ten­drin – inter­essiert, offen und gierig auf Neues.

Es war der let­zte Tag eines Aus­bil­dungsmoduls. Zusam­men mit rund achtzig anderen Men­schen erlebte ich, was Auf­stel­lungsar­beit bewe­gen kann. Ich kon­nte Trans­for­ma­tion sehen und beina­he kör­per­lich fühlen. Und ich war stolz darauf, dies bald selb­st anwen­den zu dür­fen.

Nur ein­er schien nicht begeis­tert.

Ein junger Mann, unauf­fäl­lig und gle­ichzeit­ig sehr präsent, schüt­telte immer wieder fast unmerk­lich den Kopf. Plöt­zlich ver­liess er die Gruppe. Dann das Gebäude.

Ich tat etwas, das ich zuvor noch nie getan hat­te: Ich fol­gte ihm.

«Warum gehst du?»

«Ich kann das nicht mehr mitanse­hen. Wie er sie lei­den lässt, wie er sie durch den Schmerz führt. Das geht viel schneller und leichter.»

«Aber es geht doch schnell und ist wirk­sam», wider­sprach ich – leise und gle­ichzeit­ig fra­gend.

«Mit Hyp­nose geht es schneller.»

Hyp­nose? Wie – Hyp­nose?

Er wollte nicht weit­erre­den. Ich solle wieder hineinge­hen. Er brauche jet­zt Zeit für sich.

Ich ging zurück in den Saal. Max­i­mal ver­wirrt. Wie funk­tion­iert Hyp­nose?

Wenig später informierte ich mich über Hyp­nose und meldete mich noch aus Bercht­es­gaden, wo ich einige Tage ver­brachte, für einen Lehrgang an. Von der ersten Stunde an war ich begeis­tert. Diese Begeis­terung hält bis heute an.

Ich liebe Hyp­nose.

 

Nicht erklären. Erleben

Ich kön­nte dir jet­zt erzählen, woher Hyp­nose kommt und wie alt sie ist. Ich kön­nte Fach­be­griffe aneinan­der­rei­hen und das Unbe­wusste in hüb­sche Schubladen sortieren.

Davon hast du wenig. Vielle­icht weisst du es ohne­hin längst.

Ich nehme dich direkt mit. Denn Hyp­nose lässt sich erk­lären – aber ihr Wert wird erst ver­ständlich, wenn wir eine Ahnung davon bekom­men, wie sie sich anfühlen kann.

Für mich ist Hyp­nose bild­haftes Fühlen. Ein inneres Erleben, das uns zu etwas führen kann, das noch nicht ver­standen, ein­ge­ord­net oder zu Ende gefühlt wurde. Nicht, damit wir in der Ver­gan­gen­heit wohnen bleiben. Son­dern damit wir freier ins Heute zurück­kehren kön­nen.

 

«Ich bleibe lieber so»

Ein Klient sass mir gegenüber. Sportlich, dynamisch, erfol­gre­ich. Seit einiger Zeit fühlte sich sein Knie steif an, das Gehen fiel ihm schw­er. Medi­zinis­che Abklärun­gen hat­ten keine Erk­lärung ergeben.

Dieser Satz ist mir wichtig: Kör­per­liche Beschw­er­den gehören zuerst medi­zinisch abgek­lärt. Ein unauf­fäl­liger Befund beweist nicht, dass eine Beschw­erde psy­chisch verur­sacht ist.

Der Klient wollte Hyp­nose erleben. Er hat­te meine Infor­ma­tio­nen aufmerk­sam gele­sen – sehr lobenswert – und kaum Fra­gen. Ein wenig Ner­vosität war trotz­dem mit in den Raum gekom­men.

In mein­er Prax­is ste­hen wun­der­bare Ses­sel, in denen man beina­he schwebt. Er wollte seinen partout nicht zurück­stellen.

«Geht das auch im Sitzen?»

«Natür­lich. Du willst fes­ten Boden unter den Füssen.»

Er lachte. «Dann bleibe ich gerne so.»

Vor jed­er Hyp­nose erk­läre ich, was wir tun: die Ein­leitung in die Hyp­nose, die eigentliche Prozes­sar­beit und die sichere Ausleitung. Ich hole nochmals sein Ein­ver­ständ­nis ein, frage, ob ich während der Sitzung Handge­lenk, Hand, Schul­ter oder Stirn berühren darf, und ob die Nähe für ihn angenehm ist.

Erst wenn alles passt, begin­nen wir.

 

Hypnose in drei Schritten

Ablauf einer Hypnose in drei Schritten: Ankommen, Erleben und Zurückkehren. Du bleibst während der gesamten Hypnose ansprechbar und beteiligt.

Du bist in jedem Schritt beteiligt

 

Du bist ansprechbar

Er schloss die Augen und atmete tief ein. Nach­dem ich seine Reak­tio­nen über­prüft hat­te, lud ich ihn ein, sich in sein­er Vorstel­lung an einen ver­traut­en, sicheren Ort zu begeben. Zuhause, am Meer, in den Bergen – sein Ort, nicht mein­er.

Er nick­te.

Ich bat ihn, sich dort gedanklich umzuse­hen. Stimmt alles? Ist der Ort so, wie er ihn ken­nt? Dann durfte er es sich bequem machen und den Blick schweifen lassen.

Auch in Hyp­nose war er nicht weg. Er hörte mich, reagierte, entsch­ied und gab Antworten. Hyp­nose ist kein Abschal­ten des eige­nen Wil­lens.

 

Als der Boden verschwand

Im Vorge­spräch hat­te er von einem Erleb­nis kurz vor Beginn sein­er Beschw­er­den erzählt. Eine beru­fliche Posi­tion war ihm lange zugesichert wor­den. Bei ein­er Betrieb­sver­samm­lung erfuhr er ohne Vor­war­nung, dass jemand anderes übernehmen würde.

«Welch­es Gefühl war in diesem Moment da?», hat­te ich ihn gefragt.

«Als würde mir jemand den Boden unter den Füssen wegziehen. Ich kann nie­man­dem ver­trauen.»

In der Hyp­nose gin­gen wir – mit seinem Ein­ver­ständ­nis – nicht ein­er fer­ti­gen Erk­lärung nach, son­dern seinem Erleben. Als er an jenen Mor­gen dachte, an dem das Gehen plöt­zlich schwierig gewor­den war, nan­nte er ein weit­eres Gefühl: aus­geliefert. Kom­plett aus­geliefert.

Ich fragte ihn, ob er dieses Gefühl bere­its kan­nte oder ob es neu war.

Wir fol­gten dem­sel­ben Gefühl durch mehrere Sit­u­a­tio­nen. Ein Moment mit 31. Kan­nte er das Gefühl schon? Ja. Also gin­gen wir weit­er zurück. Eine Sit­u­a­tion mit 24. Noch bevor ich die Frage ganz aus­ge­sprochen hat­te, nick­te er. Er kan­nte es bere­its.

Wir gin­gen weit­er. Schritt für Schritt, immer dem­sel­ben Gefühl ent­lang – bis sich etwas verän­derte. Seine Stimme klang plöt­zlich jünger, belegt.

«Es ist neu. Kom­plett neu. Ich liege hier im Gang. Alleine. Es ist kalt. Sie haben ver­sprochen, hier zu sein. Und sie haben ver­sprochen, dass ich danach ein Eis bekomme.»

Vor seinem inneren Auge war ein klein­er Junge nach ein­er Oper­a­tion im Spi­tal. Seine Eltern waren nicht da. Das ver­sproch­ene Eis auch nicht. Mehr war in diesem Moment nicht wichtig.

 

Wenn der Erwachsene zum Kind spricht

Der erwach­sene Mann erk­lärte dem Sech­sjähri­gen, was damals geschehen war. Ruhig, Satz für Satz. Er sagte ihm, dass er nicht vergessen wor­den war. Dass die Eltern unter­wegs gewe­sen waren. Dass nie­mand ihn absichtlich allein gelassen hat­te.

Ich bin immer wieder fasziniert, wie sich dabei ein Gesicht verän­dern kann. Eine san­fte Stirn­falte glät­tet sich. Manch­mal entste­ht aus dem Nichts eine neue. Die Stimme verän­dert ihre Lage. Das ganze Gesicht scheint sich für einen Moment zu ver­jün­gen.

Und manch­mal fall­en Schul­tern plöt­zlich tiefer – gefühlt eine ganze Etage.

Ich fragte den kleinen Jun­gen, ob er die Erk­lärung annehmen könne. Ob jet­zt alles gut sei.

Ein Lächeln erschien.
Es brauchte keine weiteren Worte.

 

Wir bedank­ten uns bei dem Kleinen fürs Mit­machen und wandten uns wieder dem Erwach­se­nen zu. Da war noch Wut auf den früheren Vorge­set­zten. Auch sie bekam Raum. Verge­bung in Hyp­nose bedeutet nicht, gutzuheis­sen, was geschehen ist. Sie dient dem Klien­ten: Er muss nicht länger an etwas fes­thal­ten, das ihn darin ein­schränkt, frei zu sein. Es darf wieder leichter wer­den.

 

Willkommen zurück

Am Ende leit­ete ich ihn sorgfältig aus der Hyp­nose. Er öffnete die Augen.

Im Lehrbuch ste­hen an dieser Stelle Sätze wie: «Willkom­men zurück. Füh­le, was sich bere­its wun­der­bar verän­dert hat.»

Ich mag es direk­ter. Und ich will einem Men­schen nicht vorgeben, was er jet­zt wahrzunehmen hat.

«Willkom­men zurück. Du hast das so gut gemacht. Bedanke dich kurz bei dir selb­st – für die Zeit und die Tiefe, die du dir geschenkt hast.»

Es mag ein wenig speziell klin­gen. Aber genau das empfinde ich. Und häu­fig berührt dieser Satz meine Kli­entin­nen und Klien­ten sehr. Dann sprudeln sie – die Gefüh­le, die Bilder und das Erlebte.

Dieser Klient sagte, er sei müde, aber zufrieden. Leicht und lock­er. Sein Knie füh­le sich frei an. Er wollte auf­ste­hen. Tat es. Er stand auf und ging durch den Raum. Dann schaute er auf sein Knie, auf mich und wieder auf sein Knie.

«Wie ist das möglich?»

In diesem Moment nahm er die bish­erige Ein­schränkung nicht mehr wahr. Das war seine unmit­tel­bare Erfahrung nach dieser Sitzung – kein Ver­sprechen dafür, wie eine Hyp­nose bei einem anderen Men­schen ver­läuft, und auch kein Beweis für eine medi­zinis­che Ursache.

Er war über­wältigt. Ich hat­te kurz Angst, dass er gle­ich einen Luft­sprung ver­suchen würde.

Er bedank­te sich. Und ich durfte meinen lieb­sten Satz sagen:

«Du hast das selbst gemacht.»

 

Für diesen Moment mache ich, was ich mache. Nicht für eine Rezen­sion – obwohl die natür­lich eben­falls schön ist. Son­dern für diesen einen kost­baren Augen­blick, in dem ein Men­sch spürt: Ich kann mir selb­st helfen. Für mich ein­ste­hen. Für mich gehen.

Er schaute mich an. «Bleibt das jet­zt für immer so?»

«Sich­er bis der Kleine wieder ein­mal etwas nicht ver­ste­ht.»

Er lachte. «Dann erk­läre ich es ihm ein­fach. Jet­zt weiss ich ja, wie es geht.»

 

Wie funktioniert Hypnose – und was machst du dabei selbst?

Hyp­nose ist keine Magie, die ein ander­er Men­sch an dir vollführt. Die Hyp­no­tiseurin besitzt keine geheime Macht über dich. Sie begleit­et, fragt, beobachtet und bietet einen Rah­men. Du selb­st nimmst wahr, antwortest, entschei­dest und arbeitest mit.

Du kannst in Hyp­nose sprechen. Du kannst eine Frage verneinen. Du kannst deine Augen öff­nen und die Sitzung been­den. Ohne dein Ein­ver­ständ­nis und deine Mitar­beit geht nichts.

Manche Men­schen erin­nern sich danach an viele einzelne Sätze. Andere beschreiben Abschnitte eher wie einen Traum: Sie wis­sen, dass etwas da war, ohne jedes Wort fes­thal­ten zu kön­nen. Bei­des kann vorkom­men.

Auch innere Bilder sind keine lück­en­lose his­torische Aufze­ich­nung. Erin­nerun­gen kön­nen sich verän­dern, verdicht­en oder mit späteren Erfahrun­gen verbinden. Entschei­dend ist in mein­er Arbeit nicht, vor Gericht zu beweisen, was sich in jed­er Einzel­heit ereignet hat. Entschei­dend ist, was ein Men­sch inner­lich erlebt und was er heute damit tun möchte.

Hyp­nose kann einen Zugang zu Bildern, Gefühlen und Zusam­men­hän­gen erle­ichtern. Sie kann jedoch kein bes­timmtes Ergeb­nis garantieren und erset­zt keine notwendi­ge ärztliche, psy­chi­a­trische oder psy­chother­a­peutis­che Abklärung und Behand­lung.

 

FÜR DICH. JETZT.

Erin­nere dich an einen Moment, in dem du völ­lig in etwas ver­sunken warst: in ein Buch, einen Film, Musik, eine Aut­o­fahrt oder den Blick aufs Wass­er.

Was hast du noch wahrgenom­men – und was wurde für einen Moment unwichtig? Wie hat sich die Zeit ange­fühlt? Was geschah mit deinem Kör­p­er?

Das ist keine ther­a­peutis­che Hyp­nose. Aber es gibt dir eine erste Ahnung davon, wie fokussierte Aufmerk­samkeit sich anfühlen kann: Du bist nicht weg. Deine Aufmerk­samkeit ist nur anders gebün­delt

 

Du bist nicht weg

Vielle­icht ist genau das das grösste Missver­ständ­nis über Hyp­nose: die Vorstel­lung, jemand anderes übernehme das Steuer.

Ich erlebe es anders.

Du ver­schwind­est nicht. Du begeg­nest dir. Manch­mal dem Men­schen, der du heute bist. Manch­mal einem kleinen Ich, das etwas noch nicht ver­ste­hen kon­nte. Und manch­mal ein­er Wahrheit, die längst in dir gewartet hat – und dann dreht sie plöt­zlich, ohne dich zu fra­gen, das Mikro­fon auf.

Hyp­nose nimmt dir die Ver­ant­wor­tung nicht ab. Sie kann dir helfen, sie wieder dort zu übernehmen, wo du heute tat­säch­lich etwas verän­dern kannst.

Du bist nicht weg. Du bist näher bei dir.

Möcht­est du erfahren, ob der Befreiungss­chlag zu dir und deinem Anliegen passt? So heisst meine inten­sive Hyp­nose-Erst­sitzung.

Vere­in­bare gerne ein unverbindlich­es Ken­nen­lernge­spräch oder ruf mich an.

Her­zlich,

Eva-Maria

 

Hin­weis zur Fallgeschichte
Die Geschichte beruht auf Erfahrun­gen aus mein­er Prax­is. Zum Schutz der beteiligten Men­schen wur­den per­sön­liche Merk­male, Leben­sum­stände und einzelne Ereignisse verän­dert und teil­weise miteinan­der ver­bun­den.

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