#11
Du bist nicht weg. Du bist näher bei dir
Hypnose? Nicht gerade jetzt
Der Saal war kühl und dunkel, ein wenig mystisch. Viele Menschen trugen Weiss. Ich nicht. Ich sass mittendrin – interessiert, offen und gierig auf Neues.
Es war der letzte Tag eines Ausbildungsmoduls. Zusammen mit rund achtzig anderen Menschen erlebte ich, was Aufstellungsarbeit bewegen kann. Ich konnte Transformation sehen und beinahe körperlich fühlen. Und ich war stolz darauf, dies bald selbst anwenden zu dürfen.
Nur einer schien nicht begeistert.
Ein junger Mann, unauffällig und gleichzeitig sehr präsent, schüttelte immer wieder fast unmerklich den Kopf. Plötzlich verliess er die Gruppe. Dann das Gebäude.
Ich tat etwas, das ich zuvor noch nie getan hatte: Ich folgte ihm.
«Warum gehst du?»
«Ich kann das nicht mehr mitansehen. Wie er sie leiden lässt, wie er sie durch den Schmerz führt. Das geht viel schneller und leichter.»
«Aber es geht doch schnell und ist wirksam», widersprach ich – leise und gleichzeitig fragend.
«Mit Hypnose geht es schneller.»
Hypnose? Wie – Hypnose?
Er wollte nicht weiterreden. Ich solle wieder hineingehen. Er brauche jetzt Zeit für sich.
Ich ging zurück in den Saal. Maximal verwirrt. Wie funktioniert Hypnose?
Wenig später informierte ich mich über Hypnose und meldete mich noch aus Berchtesgaden, wo ich einige Tage verbrachte, für einen Lehrgang an. Von der ersten Stunde an war ich begeistert. Diese Begeisterung hält bis heute an.
Ich liebe Hypnose.
Nicht erklären. Erleben
Ich könnte dir jetzt erzählen, woher Hypnose kommt und wie alt sie ist. Ich könnte Fachbegriffe aneinanderreihen und das Unbewusste in hübsche Schubladen sortieren.
Davon hast du wenig. Vielleicht weisst du es ohnehin längst.
Ich nehme dich direkt mit. Denn Hypnose lässt sich erklären – aber ihr Wert wird erst verständlich, wenn wir eine Ahnung davon bekommen, wie sie sich anfühlen kann.
Für mich ist Hypnose bildhaftes Fühlen. Ein inneres Erleben, das uns zu etwas führen kann, das noch nicht verstanden, eingeordnet oder zu Ende gefühlt wurde. Nicht, damit wir in der Vergangenheit wohnen bleiben. Sondern damit wir freier ins Heute zurückkehren können.
«Ich bleibe lieber so»
Ein Klient sass mir gegenüber. Sportlich, dynamisch, erfolgreich. Seit einiger Zeit fühlte sich sein Knie steif an, das Gehen fiel ihm schwer. Medizinische Abklärungen hatten keine Erklärung ergeben.
Dieser Satz ist mir wichtig: Körperliche Beschwerden gehören zuerst medizinisch abgeklärt. Ein unauffälliger Befund beweist nicht, dass eine Beschwerde psychisch verursacht ist.
Der Klient wollte Hypnose erleben. Er hatte meine Informationen aufmerksam gelesen – sehr lobenswert – und kaum Fragen. Ein wenig Nervosität war trotzdem mit in den Raum gekommen.
In meiner Praxis stehen wunderbare Sessel, in denen man beinahe schwebt. Er wollte seinen partout nicht zurückstellen.
«Geht das auch im Sitzen?»
«Natürlich. Du willst festen Boden unter den Füssen.»
Er lachte. «Dann bleibe ich gerne so.»
Vor jeder Hypnose erkläre ich, was wir tun: die Einleitung in die Hypnose, die eigentliche Prozessarbeit und die sichere Ausleitung. Ich hole nochmals sein Einverständnis ein, frage, ob ich während der Sitzung Handgelenk, Hand, Schulter oder Stirn berühren darf, und ob die Nähe für ihn angenehm ist.
Erst wenn alles passt, beginnen wir.
Hypnose in drei Schritten

Du bist in jedem Schritt beteiligt
Du bist ansprechbar
Er schloss die Augen und atmete tief ein. Nachdem ich seine Reaktionen überprüft hatte, lud ich ihn ein, sich in seiner Vorstellung an einen vertrauten, sicheren Ort zu begeben. Zuhause, am Meer, in den Bergen – sein Ort, nicht meiner.
Er nickte.
Ich bat ihn, sich dort gedanklich umzusehen. Stimmt alles? Ist der Ort so, wie er ihn kennt? Dann durfte er es sich bequem machen und den Blick schweifen lassen.
Auch in Hypnose war er nicht weg. Er hörte mich, reagierte, entschied und gab Antworten. Hypnose ist kein Abschalten des eigenen Willens.
Als der Boden verschwand
Im Vorgespräch hatte er von einem Erlebnis kurz vor Beginn seiner Beschwerden erzählt. Eine berufliche Position war ihm lange zugesichert worden. Bei einer Betriebsversammlung erfuhr er ohne Vorwarnung, dass jemand anderes übernehmen würde.
«Welches Gefühl war in diesem Moment da?», hatte ich ihn gefragt.
«Als würde mir jemand den Boden unter den Füssen wegziehen. Ich kann niemandem vertrauen.»
In der Hypnose gingen wir – mit seinem Einverständnis – nicht einer fertigen Erklärung nach, sondern seinem Erleben. Als er an jenen Morgen dachte, an dem das Gehen plötzlich schwierig geworden war, nannte er ein weiteres Gefühl: ausgeliefert. Komplett ausgeliefert.
Ich fragte ihn, ob er dieses Gefühl bereits kannte oder ob es neu war.
Wir folgten demselben Gefühl durch mehrere Situationen. Ein Moment mit 31. Kannte er das Gefühl schon? Ja. Also gingen wir weiter zurück. Eine Situation mit 24. Noch bevor ich die Frage ganz ausgesprochen hatte, nickte er. Er kannte es bereits.
Wir gingen weiter. Schritt für Schritt, immer demselben Gefühl entlang – bis sich etwas veränderte. Seine Stimme klang plötzlich jünger, belegt.
«Es ist neu. Komplett neu. Ich liege hier im Gang. Alleine. Es ist kalt. Sie haben versprochen, hier zu sein. Und sie haben versprochen, dass ich danach ein Eis bekomme.»
Vor seinem inneren Auge war ein kleiner Junge nach einer Operation im Spital. Seine Eltern waren nicht da. Das versprochene Eis auch nicht. Mehr war in diesem Moment nicht wichtig.
Wenn der Erwachsene zum Kind spricht
Der erwachsene Mann erklärte dem Sechsjährigen, was damals geschehen war. Ruhig, Satz für Satz. Er sagte ihm, dass er nicht vergessen worden war. Dass die Eltern unterwegs gewesen waren. Dass niemand ihn absichtlich allein gelassen hatte.
Ich bin immer wieder fasziniert, wie sich dabei ein Gesicht verändern kann. Eine sanfte Stirnfalte glättet sich. Manchmal entsteht aus dem Nichts eine neue. Die Stimme verändert ihre Lage. Das ganze Gesicht scheint sich für einen Moment zu verjüngen.
Und manchmal fallen Schultern plötzlich tiefer – gefühlt eine ganze Etage.
Ich fragte den kleinen Jungen, ob er die Erklärung annehmen könne. Ob jetzt alles gut sei.
Ein Lächeln erschien.
Es brauchte keine weiteren Worte.
Wir bedankten uns bei dem Kleinen fürs Mitmachen und wandten uns wieder dem Erwachsenen zu. Da war noch Wut auf den früheren Vorgesetzten. Auch sie bekam Raum. Vergebung in Hypnose bedeutet nicht, gutzuheissen, was geschehen ist. Sie dient dem Klienten: Er muss nicht länger an etwas festhalten, das ihn darin einschränkt, frei zu sein. Es darf wieder leichter werden.
Willkommen zurück
Am Ende leitete ich ihn sorgfältig aus der Hypnose. Er öffnete die Augen.
Im Lehrbuch stehen an dieser Stelle Sätze wie: «Willkommen zurück. Fühle, was sich bereits wunderbar verändert hat.»
Ich mag es direkter. Und ich will einem Menschen nicht vorgeben, was er jetzt wahrzunehmen hat.
«Willkommen zurück. Du hast das so gut gemacht. Bedanke dich kurz bei dir selbst – für die Zeit und die Tiefe, die du dir geschenkt hast.»
Es mag ein wenig speziell klingen. Aber genau das empfinde ich. Und häufig berührt dieser Satz meine Klientinnen und Klienten sehr. Dann sprudeln sie – die Gefühle, die Bilder und das Erlebte.
Dieser Klient sagte, er sei müde, aber zufrieden. Leicht und locker. Sein Knie fühle sich frei an. Er wollte aufstehen. Tat es. Er stand auf und ging durch den Raum. Dann schaute er auf sein Knie, auf mich und wieder auf sein Knie.
«Wie ist das möglich?»
In diesem Moment nahm er die bisherige Einschränkung nicht mehr wahr. Das war seine unmittelbare Erfahrung nach dieser Sitzung – kein Versprechen dafür, wie eine Hypnose bei einem anderen Menschen verläuft, und auch kein Beweis für eine medizinische Ursache.
Er war überwältigt. Ich hatte kurz Angst, dass er gleich einen Luftsprung versuchen würde.
Er bedankte sich. Und ich durfte meinen liebsten Satz sagen:
«Du hast das selbst gemacht.»
Für diesen Moment mache ich, was ich mache. Nicht für eine Rezension – obwohl die natürlich ebenfalls schön ist. Sondern für diesen einen kostbaren Augenblick, in dem ein Mensch spürt: Ich kann mir selbst helfen. Für mich einstehen. Für mich gehen.
Er schaute mich an. «Bleibt das jetzt für immer so?»
«Sicher bis der Kleine wieder einmal etwas nicht versteht.»
Er lachte. «Dann erkläre ich es ihm einfach. Jetzt weiss ich ja, wie es geht.»
Wie funktioniert Hypnose – und was machst du dabei selbst?
Hypnose ist keine Magie, die ein anderer Mensch an dir vollführt. Die Hypnotiseurin besitzt keine geheime Macht über dich. Sie begleitet, fragt, beobachtet und bietet einen Rahmen. Du selbst nimmst wahr, antwortest, entscheidest und arbeitest mit.
Du kannst in Hypnose sprechen. Du kannst eine Frage verneinen. Du kannst deine Augen öffnen und die Sitzung beenden. Ohne dein Einverständnis und deine Mitarbeit geht nichts.
Manche Menschen erinnern sich danach an viele einzelne Sätze. Andere beschreiben Abschnitte eher wie einen Traum: Sie wissen, dass etwas da war, ohne jedes Wort festhalten zu können. Beides kann vorkommen.
Auch innere Bilder sind keine lückenlose historische Aufzeichnung. Erinnerungen können sich verändern, verdichten oder mit späteren Erfahrungen verbinden. Entscheidend ist in meiner Arbeit nicht, vor Gericht zu beweisen, was sich in jeder Einzelheit ereignet hat. Entscheidend ist, was ein Mensch innerlich erlebt und was er heute damit tun möchte.
Hypnose kann einen Zugang zu Bildern, Gefühlen und Zusammenhängen erleichtern. Sie kann jedoch kein bestimmtes Ergebnis garantieren und ersetzt keine notwendige ärztliche, psychiatrische oder psychotherapeutische Abklärung und Behandlung.
FÜR DICH. JETZT.
Erinnere dich an einen Moment, in dem du völlig in etwas versunken warst: in ein Buch, einen Film, Musik, eine Autofahrt oder den Blick aufs Wasser.
Was hast du noch wahrgenommen – und was wurde für einen Moment unwichtig? Wie hat sich die Zeit angefühlt? Was geschah mit deinem Körper?
Das ist keine therapeutische Hypnose. Aber es gibt dir eine erste Ahnung davon, wie fokussierte Aufmerksamkeit sich anfühlen kann: Du bist nicht weg. Deine Aufmerksamkeit ist nur anders gebündelt
Du bist nicht weg
Vielleicht ist genau das das grösste Missverständnis über Hypnose: die Vorstellung, jemand anderes übernehme das Steuer.
Ich erlebe es anders.
Du verschwindest nicht. Du begegnest dir. Manchmal dem Menschen, der du heute bist. Manchmal einem kleinen Ich, das etwas noch nicht verstehen konnte. Und manchmal einer Wahrheit, die längst in dir gewartet hat – und dann dreht sie plötzlich, ohne dich zu fragen, das Mikrofon auf.
Hypnose nimmt dir die Verantwortung nicht ab. Sie kann dir helfen, sie wieder dort zu übernehmen, wo du heute tatsächlich etwas verändern kannst.
Du bist nicht weg. Du bist näher bei dir.
Möchtest du erfahren, ob der Befreiungsschlag zu dir und deinem Anliegen passt? So heisst meine intensive Hypnose-Erstsitzung.
Vereinbare gerne ein unverbindliches Kennenlerngespräch oder ruf mich an.
Herzlich,
Eva-Maria
Hinweis zur Fallgeschichte
Die Geschichte beruht auf Erfahrungen aus meiner Praxis. Zum Schutz der beteiligten Menschen wurden persönliche Merkmale, Lebensumstände und einzelne Ereignisse verändert und teilweise miteinander verbunden.