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4 min.
Veröffentlicht 7. August 2026

Selbstverlust verstehen – warum du dich selbst immer wieder übergehst

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Eva-Maria Janutin

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Du bist noch da.
Du hast dich nur verlassen

 

Warum du dich selb­st immer wieder übergehst – und wie du zurück­kommst.

Du bist nicht ein­fach so erschöpft. Nicht ein­fach so leer. Nicht ein­fach so unsich­er gewor­den. Das ist nicht plöt­zlich passiert. Das war kein einzel­ner Moment.

Das waren Entschei­dun­gen. Viele Entschei­dun­gen. Leise. Unbe­merkt. Aber wirk­sam.

Du hast Ja gesagt, obwohl du Nein gefühlt hast – genau das, worüber ich in «Gren­zen set­zen» schreibe. Du bist geblieben, obwohl du längst gehen woll­test. Du hast funk­tion­iert, als in dir schon lange nichts mehr ging – der Anfang von dem, was ich in «Burnout erken­nen» beschreibe.

Und irgend­wann passiert etwas. Nicht laut. Nicht drama­tisch. Aber klar. Du erkennst dich selb­st nicht mehr. Nicht, weil du weg bist. Son­dern weil du dich ver­lassen hast.

Es passiert nicht einmal – sondern immer wieder

Dich selb­st zu ver­lassen ist kein ein­ma­liger Moment. Es ist ein Muster. Etwas, das sich wieder­holt. Fast unbe­merkt.

Du gehst ein Stück über dich hin­weg. Dann noch ein Stück. Und noch eins. Nicht, weil du es willst. Son­dern weil du es gewohnt bist. Und genau deshalb fällt es dir oft gar nicht mehr auf.

Man gibt einen Fin­ger. Und irgend­wann hat man die ganze Hand gegeben.

Meis­tens sagt man das über andere, die uns aus­nutzen. Aber es stimmt genau­so, wenn du selb­st die Nehmerin bist – wenn du dir selb­st, Stück für Stück, immer noch einen Fin­ger abver­langst. Ein biss­chen Anpas­sung hier. Ein biss­chen Funk­tion­ieren dort.

Bis eines Tages bei­de Hände leer sind. Nicht, weil dir jemand etwas genom­men hat. Son­dern weil du sie selb­st hergegeben hast.

Wie man sich selbst verlässt

Das passiert nicht an einem Tag. Das passiert im All­t­ag. Immer dann, wenn du: dich anpasst, obwohl es sich falsch anfühlt. Still wirst, obwohl du etwas sagen willst. Gib­st, obwohl du längst leer bist. Stark bleib­st, obwohl du eigentlich Halt brauchst.

Am Anfang fühlt sich das richtig an. Erwach­sen. Sozial. Rück­sichtsvoll. In Wahrheit passiert etwas anderes: Du ent­fernst dich von dir. Schritt für Schritt. Bis du irgend­wann nicht mehr weisst: Was will ich eigentlich? Was brauche ich? Wo bin ich in meinem eige­nen Leben?

Es sind die kleinen Momente

Du ver­lierst dich nicht in grossen Entschei­dun­gen. Nicht in einem Knall. Du ver­lierst dich in den kleinen Momenten.

Wenn du über dein Gefühl hin­weggehst. Wenn du dich selb­st beruhigst, obwohl etwas in dir laut ist. Wenn du dir sagst: «Ist schon nicht so schlimm.» Wenn du noch schnell antwortest, obwohl du müde bist. Wenn du bleib­st, obwohl du gehen möcht­est. Wenn du lächelst, obwohl dir nicht danach ist.

Und genau dort begin­nt es. Nicht drama­tisch. Aber wirk­sam.

Alltag

Du bekommst eine Nachricht. Du bist müde. Du willst eigentlich nicht mehr antworten. Und trotz­dem tust du es. Schnell. Kurz. Neben­bei.

Und nie­mand merkt etwas. Auss­er dir. Und genau das ist der Moment, in dem du dich wieder ein kleines Stück ver­lässt.

Warum du das tust

Nicht, weil du schwach bist. Son­dern weil du es gel­ernt hast. Vielle­icht früh. Vielle­icht ohne Worte.

Du hast etwas ver­standen: Angepasst sein sichert Liebe. Stark sein ver­hin­dert Kon­flik­te. Funk­tion­ieren gibt Sicher­heit.

Und irgend­wann wird daraus ein inner­er Satz: «Ich bin wichtig – wenn ich für andere da bin.» Und genau da begin­nt der Preis.

Der Preis, den du zahlst

Du wirst müde. Nicht nur kör­per­lich. Inner­lich. Du wachst auf und bist schon erschöpft. Du funk­tion­ierst – aber du fühlst dich nicht mehr.

Du wirst unsich­er. Nicht, weil du nichts kannst. Son­dern weil du dich selb­st nicht mehr spürst. Du wirst reizbar. Ziehst dich zurück. Fühlst dich schnell über­fordert.

Und du denkst: «Was stimmt nicht mit mir?» Nichts. Du hast dich nur zu lange über­gan­gen.

Und das Verrückte ist

Von aussen sieht alles oft gut aus. Du funk­tion­ierst. Du bist da. Du machst weit­er. Vielle­icht bekommst du sog­ar Anerken­nung dafür. Für deine Stärke. Deine Ver­lässlichkeit. Dein «Immer da sein».

Und genau das macht es so gefährlich. Denn nie­mand stellt es in Frage. Nicht ein­mal du.

Und vielleicht kennst du auch das

Du spürst etwas. Ganz klar. Und im näch­sten Moment erk­lärst du es dir weg. «Ist nicht so schlimm.»
«Ich übertreibe.»
«Das bilde ich mir ein.»

Und genau da passiert es wieder. Nicht im Aussen. In dir. Du ver­lässt dich nicht, weil du nichts fühlst. Son­dern weil du aufhörst, dir zu glauben.

Der Wendepunkt

Verän­derung begin­nt nicht mit Diszi­plin. Nicht mit Kon­trolle. Nicht mit «Ich muss mich jet­zt zusam­men­reis­sen». Verän­derung begin­nt mit Ehrlichkeit. Ehrlichkeit gegenüber dir selb­st.

Mit einem Satz: «Ich habe mich selb­st ver­lassen.» Und dieser Satz kann wehtun. Weil er klar ist. Aber genau darin liegt seine Kraft. Denn erst wenn du das erkennst und annimmst, kannst du etwas verän­dern.

Und genau hier beginnt etwas Neues

Nicht gross. Nicht spek­takulär. Son­dern leise. Du hörst wieder hin. Nimmst dich wieder ernst. Spürst dich wieder. Vielle­icht zaghaft. Vielle­icht unge­wohnt. Aber echt.

Zurück zu dir ist kein grosser Schritt

Es sind kleine Momente. Ein Nein, das du aussprichst. Eine Pause, die du dir nimmst. Ein Gefühl, das du nicht mehr weg­drückst. Ein Gedanke, den du ernst nimmst.

So kommst du zurück. Nicht per­fekt. Aber ehrlich.

Und ja – es fühlt sich am Anfang ungewohnt an

Fast falsch. Weil du es nicht gewohnt bist, dich an erste Stelle zu set­zen. Weil dein Sys­tem etwas anderes ken­nt. Anpassen. Mit­tra­gen. Durch­hal­ten.

Und plöt­zlich machst du etwas anders. Sagst Nein. Nimmst Raum ein. Bleib­st bei dir. Und ein Teil in dir denkt: «Darf ich das über­haupt?»

Ja. Genau das darf­st du.

 

FÜR DICH. JETZT.

Frag dich heute nicht:

«Was erwarten die anderen von mir?»

Son­dern:

«Wo gehe ich ger­ade über mich hin­weg?»

Und dann mach genau dort etwas anders.

Sag Nein. Oder geh. Oder bleib – aber bewusst.

Nicht aus Angst. Son­dern aus dir her­aus.

Vielle­icht nur ein­mal heute.

Aber genau da begin­nt etwas.

 

Du bist nicht ver­loren. Du bist noch da. Immer. Unter all dem Funk­tion­ieren. Unter all dem Anpassen. Unter all dem Stark­sein. Du bist da.

Und du kannst jed­erzeit zurück. Nicht irgend­wann. Nicht wenn alles passt. Jet­zt.

Wenn du spürst, dass es Zeit ist, dich nicht länger zu ver­lassen – ich bin da.

Her­zlich
Eva-Maria

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